Am 27. Mai kündigte Robinhood die Veröffentlichung einer Beta-Version von „Agentic Trading“ an. Dadurch können Nutzer über den MCP-Server (Model Context Protocol) der Plattform externe KI-Agenten wie Claude oder ChatGPT nutzen, um Aktien eigenständig zu kaufen und zu verkaufen. Für diese KI-Agenten muss ein separater, isolierter Account eingerichtet werden; lediglich die dort eingezahlten Gelder dürfen verwendet werden – das Hauptkonto bleibt unberührt. Zu jeder Transaktion erhalten Nutzer eine Benachrichtigung, können Gewinn und Verlust in Echtzeit verfolgen sowie jederzeit per Knopfdruck die Handlungsbefugnis der Agenten widerrufen. Derzeit unterstützt die Beta-Version nur Aktien; weitere Anlageklassen wie Optionen, Kryptowährungen oder Futures sollen später folgen. Parallel stellte Robinhood auch die Funktion „Agentic Credit Card“ vor, mit der KI-Agenten innerhalb eines vom Nutzer festgelegten Limits automatisch Einkäufe tätigen können. CEO Vlad Tenev erklärte: „Unsere Mission der Finanzdemokratisierung erstreckt sich nun auch auf KI-Agenten.“
Damit ist es erstmals einem großen Retail-Broker gelungen, Privatanlegern uneingeschränkte Handelsrechte zu gewähren. Bisher wurden quantitative Modelle sowie KI-gestützte Entscheidungsprozesse hauptsächlich in Hedgefonds eingesetzt; aufgrund hoher technischer Hürden blieb dieser Bereich für Privatpersonen nahezu unzugänglich. In der offiziellen Mitteilung betont Robinhood ausdrücklich, dass die Plattform weder die Leistung der KI-Agenten überwacht noch kontrolliert oder garantiert; alle Risiken und Ergebnisse tragen die Nutzer selbst. Es besteht zudem die Gefahr, dass die Agenten Anweisungen falsch interpretieren oder Entscheidungen auf veralteten Daten basieren. In einer anschließenden Analyse stuft Goldman Sachs dieses Vorhaben als „ersten Schritt zur Integration von KI-Agenten in Retail-Brokers und das Konsumfinanzgeschäft“ ein; das Marktpotenzial sowie die Erfolgschancen seien jedoch derzeit schwer abschätzbar.