Amazon Web Services (AWS) kündigte am 27. Mai die Einführung der Lösung ‚AWS Agentic Shopping Assistant‘ (ASA) an. Damit wird erstmals die von Amazon selbst genutzte KI-Infrastruktur, der zugrundeliegende Code sowie praktische Erfahrungen aus dem Bereich des Online-Shoppings – die auch Alexa for Shopping antreiben – externen Einzelhändlern zur Verfügung gestellt. Diese können die Lösung nach ihren Marken und Produktkatalogen anpassen; laut AWS ist eine Implementierung bereits nach maximal 60 Tagen möglich. Der erste Kunde ist die Modemarke Kate Spade im Portfolio von Tapestry, die im April dieses Jahres einen KI-basierten Geschenkberater einführte. Dieser erstellt Empfehlungen, indem er per Gespräch die Anlasssituation, den Beschenkten sowie die Stilvorlieben der Kunden abfragt. Im Hintergrund arbeitet der Modelle Claude Haiku 4.5 von Anthropic über Amazon Bedrock; nach etwa zweieinhalb Monaten Testphase wurde der Service nun offiziell gestartet. AWS berichtet zudem, dass weitere Einzelhändler sich bereits in der Testphase befinden. Im vergangenen Jahr generierte der Amazon-KI-Shopping-Assistent für das Unternehmen zusätzliche Umsätze in Höhe von rund 12 Milliarden US-Dollar; für 2025 werden mehr als 300 Millionen Nutzer erwartet.
Damit setzt Amazon seine bewährte Strategie fort, interne Technologien zu kommerzialisieren – ähnlich wie zuvor bei Cloud-Diensten, automatisierten Kassensystemen und Logistiklösungen. Allerdings besteht auch Konkurrenzpotenzial: Die Einzelhändler müssen ihre KI-Shopping-Infrastruktur bei Amazons Cloud-Sparte hosten, welche wiederum direkt mit diesen Marken konkurriert. AWS versichert jedoch, dass Kunden vollständige Kontrolle über eigene Kundendaten, Produktkataloge sowie Geschäftsregeln behalten. Parallel dazu entwickeln auch OpenAI, Google und Perplexity eigene KI-Shopping-Tools; doch bei manchen Produkten verzögern technische Probleme oder hohe Integrationshürden den Markteintritt.