Microsoft soll Daten niederländischer Regulierungsbeamter an US-Repräsentantenhaus weitergegeben haben – betroffene Beamte arbeiten an DSA-Aufsicht

Laut niederländischen Medienberichten von Vrij Nederland und NL Times wird Microsoft beschuldigt, ungeschwärzte E-Mails, Besprechungsnotizen und Einladungen von Beamten zweier niederländischer Aufsichtsbehörden – der Verbraucher- und Marktbehörde (ACM) und der niederländischen Datenschutzbehörde (AP) – dem US-Repräsentantenhaus vorgelegt zu haben. Die betroffenen Beamten sind alle mit der Durchsetzung des EU-Gesetzes über digitale Dienste (DSA) befasst, das Plattformen wie Facebook und TikTok zu strengeren Maßnahmen gegen illegale Inhalte und Desinformation verpflichtet; die US-Regierung stuft diese Regulierung als „Internet-Zensur“ ein. Die niederländische Staatssekretärin für digitale Wirtschaft und Souveränität, Willemijn Aerdts, hat daraufhin die Angelegenheit mit dem US-Botschafter in den Niederlanden, Joe Popolo, erörtert und erklärt: „Wenn es Streitigkeiten gibt, sollten diese mit uns oder auf europäischer Ebene gelöst werden, nicht indem man Beamte gegeneinander ausspielt.“ Ein weiterer Staatssekretär, Eric van der Burg, nannte die Angelegenheit „besorgniserregend“ und forderte Microsoft auf, offenzulegen, welche Dokumente genau vorgelegt wurden.

Der rechtliche Hintergrund dieses Falls ist der US-amerikanische CLOUD Act, der US-Tech-Unternehmen verpflichtet, Daten auf Anfrage der Regierung herauszugeben, unabhängig davon, wo diese gespeichert sind, und ohne die Regierung des Datenspeicherlandes vorab zu benachrichtigen. Nach dem Bekanntwerden des Vorfalls rückt das Thema der europäischen digitalen Souveränität wieder in den Fokus – die niederländische Regierung selbst ist für die Verwaltung noch stark auf US-Cloud-Dienste wie Microsoft 365 angewiesen. Diese Kontroverse steht im Einklang mit der kürzlichen niederländischen Entscheidung, die Übernahme eines kritischen Anbieters von Infrastruktur für die digitale Identität, Solvinity, durch ein US-Unternehmen zu blockieren, und beschleunigt die Diskussion in den europäischen Ländern über eine Neubewertung ihrer Beschaffungsstrategien für Regierungs-Cloud-Dienste.

NL Times | Vrij Nederland